Der SPD-Ortsverein Graben-Neudorf

Neue Herausforderung 1972 - 1980


Amtseinführung von Bürgermeister Werner Juchler durch Landrat Dr. Ditteney

Seit dem 1. 1. 1972 war der Zusammenschluss der Gemeinden Graben und Neudorf vollzogen. Die Mitglieder der SPD und ihre Gemeinderäte hatten sich uneingeschränkt für die Gemeindefusion ausgesprochen und dazu beigetragen, die "Zauderer" in der CDU von der Richtigkeit dieses Entschlusses zu überzeugen.

Die Bürgermeisterwahl zeigte dann auf, wie weit Graben und Neudorf noch entzweit waren. Die SPD-Mitglieder beider Orte standen jedoch hinter ihrem SPD-Kandidaten und unterstützten ihn. Nachdem im ersten Wahlgang vom 5. 3. 1972 keine Entscheidung gefallen war, spitzte sich der Zweikampf zwischen Adalbert Prestel und Werner Juchler so zu, dass es in Graben und Neudorf kein anderes Thema mehr gab.

Zur großen Freude überrundete Werner Juchler (2538 Stimmen) im zweiten Wahlgang am 19.3. 1972 mit fast 400 Stimmen seinen Rivalen Adalbert Prestel (2147 Stimmen) und wurde erster Bürgermeister der Gemeinde Graben-Neudorf.

Mit Werner Juchler (SPD) als Bürgermeister sollte für Graben-Neudorf ein neues Kapitel seiner Geschichte beginnen.

Die SPD wurde der erste Verein, der den Zusammenschluss eines Vereins aus Graben und Neudorf herbeiführte.

Am 17. 5. 1972 fand im Gasthaus "Rheinlust" mit 39 Anwesenden die Gründungsversammlung statt.

Der Ortsverein setzte sich nun aus 64 Mitgliedern (23 aus Neudorf und 41 aus Graben) zusammen.

Ein neuer Vorstand wurde gewählt:

1.Vorsitzender: Rudolf Kammerer
Stellvertreter: Hermann Ruff
Kassier: Herbert Müller
Schriftführer: Peter Wintruff
Beisitzer: Herbert Rösch, Jakob Siegel, August Völker, Günter Gumb
Mit Elan und Schwung ging der Ortsverein in diesem Jahr in den Gemeinderatswahlkampf und erreichte mit 7 Gemeinderäten ein gutes Resultat.

Trotz der Reduzierung von 24 auf 20 Gemeinderäte hatte die SPD ihre Zahl halten können und erstmalig verlor die CDU ihre absolute Mehrheit.

Im Ortsteil Graben errang die SPD sogar 36,9% der Stimmen und lag damit 151 Stimmen vor der CDU - im Ortsteil Neudorf musste sie jedoch Verluste von 7,8% hinnehmen und kam nur auf 27,5 % der Stimmen.

Unter dem Eindruck der erfolgreichen Wahl bildete sich ein Arbeitskreis "Kommunalpolitik", der sich kontinuierlich mit dem Geschehen vor Ort befassen sollte. Die Parteiarbeit der folgenden Jahre stand dann ganz im Zeichen des allgemeinen Aufschwungs der Partei, der von der sozial-liberalen Regierung in Bonn ausging.

Zur Bundestagswahl vom 19. November 1972 startete der Ortsverein eine Reihe von Veranstaltungen. U.a. sprach im Nebenzimmer der Festhalle bei einer gut besuchten Rentnerveranstaltung Viktor Vogel aus Bruchsal. Ca. 600 persönlich adressierte Einladungen hatten dazu beigetragen, dass die Versammlung ein großer Erfolg wurde. Auch Bundestagskandidat Horst Seefeld war oft in Graben-Neudorf und diskutierte u.a. bei einem Frühschoppen im Gasthaus Hirsch mit den Vertretern der politischen Jugendorganisationen.

Im "Café Schwarz" in Neudorf fand für alle Jungwähler (400 Einladungen) eine Politparty mit Textbeiträgen und Musik statt. Diese vom Ortsverein entwickelten Aktivitäten wurden mit einem guten Wahlergebnis belohnt: 36,1% SPD (- 1674 Stimmen)
(SPD in Graben: 41,3% - Zuwachs gegenüber 1969 10,8%,
SPD in Neudorf: 30,7% -Zuwachs 6,9%).

Im Februar 1973 konstituierte sich die SPD-Gruppe des Wahlkreises IV unter dem Namen "Nördliche Hardt" (Graben-Neudorf, Blankenloch, Friedrichstal, Hochstetten, Liedolsheim, Rußheim, Spöck und Staffort), um unter dem Vorsitz von Peter Wintruff die Kreistagswahlen vorzubereiten.

Horst Seefeld, MdB, ehrt für 46 Jahre aktive Arbeit in der SPD Oswald Blau

Am 17. 3. 1973 fand im Eiscafé Zimmermann eine von Rudolf Kammerer vortrefflich organisierte Jubiläums- und Familienfeier statt. Horst Seefeld würdigte an diesem Abend ganz besonders die Verdienste von Oswald Blau, der seit 1922 der Sozialistischen-Arbeiter-Jugend angehörte und 1927 Mitglied der SPD wurde.

Einen stolzen Erfolg errang die SPD bei den Kreistagswahlen im April 1973. Bürgermeister Juchler und Gemeinderat Wintruff wurden als Kreisverordnete in den Kreistag des Landkreises Karlsruhe gewählt, während die CDU nur einen Kandidaten durchbrachte.

Durch einen erfreulichen Mitgliederzuwachs war bis zur Generalversammlung am 19. 5. 1973 die Mitgliederzahl auf 79 angewachsen.

In einer Mitgliederversammlung des Jahres 1973 (19. Nov.) wurden konkrete Einzelheiten zur Gründung des Ortsverbandes der Arbeiterwohlfahrt (AWO Graben-Neudorf) besprochen und festgelegt. Richard Langlotz sollte Vorsitzender werden und aus den Reihen der SPD wollten mindestens 7 Mitglieder als Gründungsmitglieder der AWO beitreten.

Andererseits wurden in den Partei-Versammlungen immer wieder Probleme aus der Kommunalpolitik diskutiert und der Gemeinderatsfraktion der SPD wertvolle Anregungen gegeben. Die Themen jener Zeit waren:
- große Preiserhöhungen bei den Müllgebühren,
- die Erschließungskosten in Nord I waren auf ca. DM 30,-, in West I auf ca. DM 20,- gestiegen,
- die gemeinsame Hauptschule sollte in "Mitte" erstell werden,
- beim Sporthallenbau wollte man noch warten,
- man suchte nach Industriegelände (ursprünglich im Gemeindewald vorgesehen)
- und die Verhandlungen über den Kiesabbau kamen in Gang.

Am 25. 1. 1974 referierte Gemeinderat Dr. Kurt Metzger im vollbesetzten Raum des Gasthauses "Gambrinus" über das Thema "Energiekrise - warum?".

In den Jahren 1973/74 starben viele unserer verdienten Mitglieder:
Oswald Blau (Mitglied seit 1927)
Wilhelm Trück (Mitglied seit 1946)
Karl Kappes (Mitglied seit 1949)
Friedrich Süß (Mitglied seit 1951)
Josef Prestel (Mitglied seit 1954)
Am 1. Mal 1974 feierte die SPD ihren traditionellen Kampftag in der Festhalle und Bürgermeister Juchler hielt die Festansprache. 1974 wurde Günther Gumb zweiter Vorsitzender des Ortsvereins.

Auf Initiative der SPD entbrannte eine Auseinandersetzung mit der Schulverwaltung wegen der ungerechten Verteilung der Lehrer zwischen Stadt und Land. Lehrer und Eltern schlossen sich mit der SPD zusammen, um der Grundschulmisere (Klassen mit 35 Schülern) notfalls mit Aktionen den Kampf anzusagen.

Aber auch der unterhaltsame Teil hatte im SPD-Ortsverein seinen angemessenen Stellenwert. Die jährlich stattfindenden "Waldfeste" waren stets mit einem großartig organisierten Kindernachmittag angereichert.

Zur Gemeinderatswahl legte die SPD Graben-Neudorf ihr Kommunalprogramm 1975-1980 vor. Wesentliche Forderungen waren:
- Bau der gemeinsamen Hauptschule
- Verkehrserschließung des Baugebietes Mitte
- Erweiterung der Kläranlage
- Kombiniertes Hallen-/Freibad
- Anwerbung eines Arztes für Graben
- Einrichtung einer Kindertagesstätte
- Ausbau der Kinderspielplätze
- Ausbau der Umgehungsstraße B 35
- Verbesserung des Schulverkehrs nach Bruchsal, Philippsburg und Waghäusel

Auf einer Kreiskonferenz wurde in der Festhalle im Juni 1975 Peter Wintruff zum Kreisvorsitzenden gewählt, Bürgermeister Werner Juchler wurde als Beisitzer im Kreisvorstand tätig.

Die Genossen Josef Steiskal, Josef Höger und Emmerich Klimm wurden für 25-jährige Mitgliedschaft auf der Jahreshauptversammlung des Jahres 1975 geehrt. Ein Jahr später (1976) wurde Ulrich Radhofer zum 1.Vorsitzenden des Ortsvereins gewählt.

Wieder wurde von der SPD der Kampf um die Anwerbung eines Arztes aufgegriffen, weil die Versorgung der Gemeinde weiterhin unzureichend war. Die kassenärztliche Vereinigung Nordbaden trat daraufhin den ersten Rückzug an.

Peter Wintruff kandidierte 1976 erstmalig für den Landtag und verfehlte mit 35 % der Stimmen nur ganz knapp das Mandat. Auch landespolitisch initiierte Aktivitäten fanden Eingang in die Kommunalpolitik. Erhard Epplers Vorschlag für einen kostenlosen Besuch von Kindergärten wurde zwar im Landtag abgelehnt, dagegen konnte die SPD-Gemeinderatsfraktion durchsetzen, dass das zweite Kind im Kindergarten kostenfrei wurde.

Kreisvorsitzender Peter Wintruff ehrt im Oktober 1979 Richard Langlotz für 50 Jahre SPD-Mitgliedschaft

Große Beachtung in der Presse fand die Ehrung unseres Mitgliedes Richard Langlotz für 50-jährige Mitgliedschaft in der SPD. Der Jubilar war seit 1923 Mitglied der Sozialistischen-Arbeiter-Jugend und seit 1929 Mitglied der SPD. Getreu seiner Überzeugung war er in all den Jahren in vielen Ämtern für seine Partei tätig und übte nun das Amt des 1.Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt Graben-Neudorf aus.

Die kommunalen Aktivitäten der SPD sind in diesen Jahren vielseitig und von Erfolg gekrönt. Mit einer Radwanderung rund um die Gemarkung wurden die Probleme ebenso aufgespürt, wie beim Besuch vieler örtlicher Gewerbebetriebe. Das Freizeitbad wurde allgemein gefordert und könne nach den Worten des Fraktionssprechers "mit einem Zuschuss von jährlich 50.000 DM bei einer solchen Einrichtung als vertretbar hingenommen werden".

Die 80er Jahre


Die 80er Jahre bringen nicht nur eine Reihe von Veränderungen für den Ortsverein mit sich, auch Wahlerfolge und Anerkennungen tragen zur Stärkung der SPD bei.

Vorsitzender Ulrich Radhofer (von links) und Kurt Herbster gratulieren dem Landtagsabgeordneten Peter Wintruff

Mit 35,7% der SPD-Stimmen bei der Landtagswahl vom 16. 3.1980 erringt unser Mitglied Peter Wintruff das Landtagsmandat. Als Abgeordneter bringt er in den folgenden 4 Jahren viele Aktivitäten für die SPD ein.

Kurz nach der Landtagswahl wird eine neue Vorstandschaft gewählt. Kurt Herbster wird Vorsitzender, Hans Süß und Otto Metzger seine Stellvertreter. Kassier bleibt Herbert Müller und Dieter Stober wird Schriftführer.

Mit neuem Schwung geht man an die Gemeinderatswahlen. Eine "Waldputzete", eine Rundfahrt entlang der B 36-Trasse mit Bürgermeister Juchler und Gemeinderäten aus Dettenheim, Frühschoppengespräche mit den Kandidaten sowie ein Besuch bei der SEW sind äußere Wahlkampf-Aktivitäten.

Neue Themen statt Wahlversprechen werden im "Arbeitsprogramm '80" von der SPD vorgelegt, u.a.
- Förderung von Ausbildungs- und Arbeitsplätzen
- Schutz unserer Umwelt auch in der Gemeinde
- Ausbau von Rad- und Wanderwegen
- Bemühungen um eine Realschule in Graben-Neudorf
- eine Kindertagesstätte im Kindergarten
- Neugestaltung des Prestelsees mit Grillhütte

Die SPD erreicht ihr Ziel für mehr Ausgewogenheit im Gemeinderat nicht, geht jedoch wieder gestärkt mit 7 von 20 Gemeinderäten aus der Wahl vom 22. 6. 1980 hervor.

Die meisten Forderungen des Arbeitsprogramms '80 konnten bisher mit der SPD im Gemeinderat verwirklicht werden. In ihren schriftlich formulierten und ausgefeilten Haushaltsreden (seit 1979) brachte die SPD-Fraktion immer wieder ihre Grundforderungen und aktuelle Anträge ein. Die Bürger werden seit 1981 in bürgernah aufgemachten Broschüren (an alle Haushaltungen) über den Haushaltsplan der Gemeinde informiert.

Bürgermeister Juchler gratuliert dem Träger des Bundesverdienstkreuzes Fritz Tropf

Eine große Ehrung wird unserem langjährigen Gemeinderat und Ehrenvorsitzenden des Gesangvereins Frohsinn durch die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande zuteil. In einer Feierstunde am 7. November 1980, die von vielen Ehrengästen besucht und von örtlichen Vereinen umrahmt wird, verleiht Landrat Dr. Ditteney Fritz Tropf das Verdienstkreuz. Die SPD ist sehr stolz auf ihn.

Die Mitglieder des Ortsvereins erleben 1982 mit großer Anteilnahme den siegreichen Wahlkampf ihres Genossen Dieter Süß. Zur großen Freude wird Dieter Süß am 1. 11.1982 Bürgermeister der Gemeinde Malsch.

Die Großwetterlage in der Politik, ausgelöst durch die Krise in der sozialliberalen Regierung, hat auch ihre Auswirkungen auf die unteren Gliederungen der SPD. Niederlagen bei den Landtagswahlen 1984 (Peter Wintruff verliert sein Mandat) und bei den Gemeinderatswahlen im Oktober 1984 (5 statt 7 SPD Gemeinderäte)sind für den Ortsverein jedoch kein Grund zur Resignation.

Bei den Wahlen zum Kreistag kann die SPD mit Juchler, Wintruff und Stober die CDU vor Ort glatt schlagen. Werner Juchler und Peter Wintruff werden wieder für die SPD Kreisrat.

Die kommunalpolitischen Auseinandersetzungen um den geplanten Bau des Hallen- Freizeitbades führen dazu, dass die SPD-Fraktion sich mehrheitlich gegen den Bau und für die Renovierung des Freibades ausspricht.

In der Umweltdiskussion ist die Problematik der Müllentsorgung in den Vordergrund getreten. Es ist weitgehend auf die Initiativen der SPD zurückzuführen, dass die Gemeinde als erste im Landkreis für alle Bürger die "Grüne Tonne" einführt.

Der Ortsverein der SPD besichtigten mit vielen Bürgern die Sortieranlage in Knittlingen und informiert über die Müllentsorgung.

Am 16. 1. 1985 wird auf der Jahreshauptversammlung Wolfgang Bauer als neuer Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Graben-Neudorf gewählt.

Ein Jahr danach nimmt er die ehrenvolle Aufgabe wahr, die Alt-Gemeinderäte Karl Albert Hüttner und Fritz Tropf für ihre 25-jährige Zugehörigkeit und ihre für die Partei erworbenen Verdienste zu ehren.